Die Ewigkeit setzt einen Tag

„Gott rief die Welt ins Leben, und dieser Ruf dauert an. Es gibt den gegenwärtigen Augenblick, weil Gott gegenwärtig ist. Jeder Augenblick ist ein Schöpfungsakt. … Zeit ist ständige Erneuerung, gleichbedeutend mit fortdauernder Schöpfung. Zeit ist Gottes Geschenk an die Welt des Raumes. …
Zeuge des immerwährenden Wunders der Entstehung der Welt zu sein heißt, die Gegenwart des Gebers im Gegebenen zu spüren, heißt erkennen, dass die Quelle der Zeit die Ewigkeit ist, dass das Geheimnis des Seins das Ewige in der Zeit ist.
Wir können das Problem der Zeit nicht durch Eroberung des Raumes lösen, weder durch Pyramiden noch durch Ruhm. Wir können das Problem der Zeit nur durch die Heiligung der Zeit lösen. Wenn der Mensch alleine ist, entweicht ihm die Zeit; für den Menschen mit Gott ist Zeit verhüllte Ewigkeit. …
Es gibt wenige Ideen im Reich der Gedanken, die so viel geistliche Kraft enthalten wie die Idee des Sabbats. In Äonen, wenn von vielen unserer lieb gewordenen Theorien nur Fetzen übrig sein werden, wird jener kosmische Gobelin noch leuchten. Die Ewigkeit setzt einen Tag.

Abraham Joshua Heschel, „Der Schabbat – Seine Bedeutung für den heutigen Menschen“, S. 78-79, Jüdische Verlagsanstalt Berlin, 2001

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