Kommentar Gal 2,14 & 4,10

Kommentar zu Galater 2,14

Im Galaterbrief geht es nirgens darum, ob die zehn Gebote, einschließlich des Sabbats abgeschafft sind. Der primäre Streitpunkt war, wie die Judenchristen und die Heidenchristen zusammen in Gemeinschaft leben können. Wie bekannt, hatten Juden und Heiden keine Gemeinschaft miteinander im Alltag. Es bedurfte ein Wunder, um Petrus zu bewegen, in das Haus eines Heiden einzukehren und die bekehrten Heiden zu akzeptieren. Siehe hierzu Apg 10.

Auf Paulus Reise nach Jerusalem traf er Petrus in Antiochien, der mit den Heiden gegessen hatte, was für einen Juden normalerweise nicht möglich war (V. 12). Als aber einige Juden – „aus der Beschneidung“– hinzukamen, hat Petrus sich zurückgezogen, damit er nicht von den Juden angeklagt würde. Das verstand Paulus als Heuchelei. Man muss für seine Überzeugungen stehen. Deshalb tadelte er Petrus öffentlich. (V. 14)

Was danach kommt, also in den nächsten Versen, ist etwas Grundsätzliches: Nicht die Frage der Beschneidung oder die Befolgung der vielen Regeln und Gesetzen des Zeremonialgesetzes oder die vielen Bestimmungen, die durch die spätere Tradition, besonders der Pharisäer, hinzukamen und auch nicht die Einhaltung der Zehn Gebote, sind die Grundlage für die Erlösung, sondern ausschließlich Gottes Gnade, offenbart durch Jesu Verdienst am Kreuz. (Siehe V. 16)

Aber damit sind die Zehn Gebote ja nicht abgeschafft. Im dritten Kapitel wird Paulus sehr deutlich in Bezug auf das Gesetz. In der Lutherbibel hat dieser Abschnitt sogar die Überschrift: „Der Sinn des Gesetzes“ (V. 19 – 24)

In V. 23 stellt Paulus die Frage: „Wie? Ist das Gesetz denn gegen die Verheißung?“ Paulus beantwortet auch diese Frage sehr kontant: „Das sei ferne“. In V. 24 wird er dann ganz deutlich, was die Funktion oder der Sinn des Gesetzes ist: Das Gesetz ist unser „Zuchtmeister auf Christus hin.“ Im Grundtext gebraucht man das Wort „Pädagoge“. Mit anderen Worten, durch das Gesetz erkennen wir unsere Fehler und unsere Sünden. In Christus finden wir den Grund für die Vergebung, allein aus Gnaden durch den Glauben, das Vertrauen. Bemerk bitte, dass sich in der Gemeinde zu Antiochien einige „falsche Brüder“ in die Gemeinde eingeschlichen haben, die den Frieden und die Harmonie der Gemeinde zerstören wollten. Dagegen musste Paulus klare Worte reden. V. 4)


Kommentar zu Gal. 4, 10

Auch hier ist es wichtig, dass wir den Text im Zusammenhang lesen. Wir müssen da den ganzen Galaterbrief heranziehen, aber besonders den unmittelbaren Kontext: Wir finden hier das gleiche Grundproblem. Die „falschen Brüder“, pharisäische Juden, die sich, in die Gemeinde „eingeschlichen“ haben, wollen die Juden, die Christen wurden, wieder zum Überhalten des Zeremonialgesetzes verpflichten. Im weiteren Kontext spricht Paulus von Bezauberung, „wer hat euch bezaubert“ Kap.3,1. In Kapitel 5 kommt er dann wieder auf das große Streitthema „Beschneidung“ (Kap. 5) und Einhaltung des gesamten Zeremonialgesetzes, das durch Christus seine Erfüllung fand. Dann kommt Paulus zum Hauptthema des ganzen Galaterbriefes zurück, unmittelbar vor unserem Text (Gal 4,10). Die Erlösung, sowohl für Juden wie für Heiden, geschieht allein aus Gnaden durch Christi Versöhnung. (Gal.4, 4 – 7)

Einige Christen ließen sich leider verzaubern und wollten sich wieder am Zeremonialgesetz und den Traditionen orientieren und „Tage und Monate und Zeiten und Jahre“ einhalten. Diese Ausdrucke weisen eindeutig auf die verschiedenen Festzeiten des jüdisch religiösen Kalenders hin, der auch einige zeremonielle Sabbate im Jahr miteinschloss, die auf einem bestimmten Datum des Jahres festgesetzt waren und manchmal auch auf den wöchentlichen Sabbat fielen. Auch die Feste des Neumondes und das Sabbat- und Jubeljahr waren hier eingeschlossen. Nirgends jedoch in der ganzen Bibel, wird der Sabbat mit diesen Ausdrücken bezeichnet.

Autor: Dr. theol. Richard Müller (http://www.luxlucet.dk/). Infos über Dr. Müller finden Sie hier.

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